Bürstenfroschs little Helper

Mothers little Helper war ein Song der Beatles, in dem es – wenn ich mich recht erinnere – um Pillen geht, die man schluckt, um mit dem Alltag besser umgehen zu können. Entspannen Sie sich, denn darum geht es in dieser Rubrik nicht. Hier stehen alle die kleinen Helferlein im Mittelpunkt, mit denen man seinen Alltag organisiert, sich die Zeit vertreibt oder lange Zugfahrten nutzt, um Arbeiten zu erledigen. Zum Beispiel Artikel wie diesen schreiben. Kurz und gut, die Rede ist von Android Apps. Vorhang auf.

 

Der leise Lehrer

Es darf wieder spekuliert werden: Wer von denen, die ins Konklave ziehen, wird als Papst wieder herauskommen? Jeder Kommentator hat einen Wunsch frei und so mancher Möchtegern-Dan Brown sieht Verschwörer und Strippenzieher hinter jeder Säule des Petersplatzes ihr Ränkespiel treiben. Ich muss darüber allenfalls schmunzeln, lehne mich zurück und darf darauf vertrauen, dass der Heilige Geist das schon alles richten wird.

Trotzdem denke ich darüber nach, wie ich dieses Pontifikat empfunden habe. Wie habe ich den “Wir-sind-Papst”-Papst erlebt?

Mir wird vor allem seine Bescheidenheit in Erinnerung bleiben. Diese Überwältigung in seinem Gesicht auf dem Hügel auf dem Marienfeld beim Weltjugendtag. Als könnte er nicht fassen, dass die ganzen Jugendlichen zu ihm gekommen waren. Dass er als bedeutender Theologe und Oberhaupt der katholischen Kirche im Vorwort seines Jesus-Buches die Leserinnen und Leser um Sympathie bittet und klarstellt, dass jedem frei steht, im zu widersprechen. Das sind nicht die Worte eines “Panzerkardinals” auf dem Stuhl Petri.

Und er war ein Lehrender. Kein Manager, kein Anführer mit Anspruch auf Personenkult. Ihm ging es darum, den Glauben zu verkünden und zu erklären. Das hat er getan, in Reden, Vorträgen und nicht zuletzt in seinen Jesus-Büchern. Gelehrt, gebildet und auf hohem Niveau. Und vielleicht war das eines der Probleme seines Pontifikates: Eine Gesellschaft, in der Nachrichten auf 140 Zeichen schrumpfen, Informationen häppchenweise aufbereitet werden müssen und selbst so etwas Kompliziertes wie eine Steuerreform doch bitteschön auf einen Bierdeckel zu passen hat, nimmt sich nicht die Zeit, Argumentationsketten zu folgen oder Gedankengebäude zu erkunden. Vielleicht wird uns erst die Geschichte zeigen, was für einen großen Papst wir hatten. Damals, als wir Papst waren.

Übrigens: Hier geht es zu Bildern vom Papstbesuch in Freiburg

Kiloweise Links

Hier kommt eine kleine Linksammlung zu Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Professor Pfeiffer und den katholischen Bischöfen.

  • domradio.de berichtet hier über die Veröffentlichung der Ergebnisse der Telefonhotline für Opfer sexuellen Missbrauchs.
  • Über den Eklat zwischen Professor Pfeiffer und den Bischöfen schreibt die FAZ.
  • Der Direktor des Institutes für forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, Norbert Leygraf nimmt die Kirche gegen Zensurvorwürfe in Schutz.
  • Der STERN lässt es an klaren Worten nicht fehlen. In beide Richtungen.
  • Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck nimmt Stellung.
  • Lesenswert ist auch dieser Kommentar von Eckhard Bieger SJ

 

Audietur et altera pars …

… ist ein Rechtsgrundsatz der besagt, dass man immer beide Teile anhören soll. Im Fall der Kölner Klinik, die ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abgewiesen hat heißt das, auch Verantwortliche der Klinik zu Wort kommen zu lassen. Der WDR hat dies getan und ein Interview mit dem ärztlichen Direktor des St. Vinzenz-Hospitals ausgestrahlt. Hier ist der Link dazu, der Beitrag hat den Titel “Katholische Kliniken in Bedrängnis”. Und er rückt die Sache in ein etwas anderes Licht.

Geschiedene Leute

Nun sind die deutschen Diözesen und Professor Pfeiffer geschiedene Leute. Doch wer der Kirche nun eine Blockadehaltung oder mangelnden Willen unterstellt, schüttet nicht nur das Kind mit dem Bad aus, er liegt auch falsch.

Mit dem Schritt, sämtliche Personalakten zugänglich zu machen, ist die Kirche sehr weit gegangen. Stellen wir uns einfach folgendes vor: Die Krankenkassen werfen Ärztinnen und Ärzten Bestechlichkeit vor, und es kommt zu Unregelmäßigkeiten bei der Organspende. Beides sind strafbare Handlungen. Um diese Delikte zu untersuchen, beschließt man ein Gesetz, das alle Krankenhausträger verpflichtet, die Personalakten des Klinikpersonals offen zu legen. Ich möchte mir weder die allgemeine Empörung vorstellen, noch auf die verbleibende Amtszeit des Gesundheitsministers wetten.

Doch genau das haben die Bischöfe getan. Und damit ihre Fürsorgepflicht als Arbeitgeber hinten angestellt, um einem höheren Ziel, nämlich der Aufklärung zu dienen. Dass dann aber Diskretion, Datenschutz und Vertrauen in den Leiter der Studie die allergrößte Rolle spielen, liegt auf der Hand.

Wer sich dieses Zwiespalts bewusst ist, der bringt Verständnis dafür auf, dass die Bischöfe einem Projektleiter, mit dem sie sich nicht verständigen können und dem sie nicht mehr vertrauen, den Auftrag entziehen. Dies geschah freilich nicht vorschnell oder im Hauruck-Verfahren, sondern erst nach einem Mediationsprozess. Hätte man die Studie seitens der Kirche torpedieren wollen, hätte man auf diese aufwendige Vorgehensweise verzichten können. Andererseits leuchtet auch nicht ein, warum ausgerechnet diese eine Studie verhindert werden sollte, während Untersuchungen bereits im Bistum München-Freising durchgeführt wurden, der Kriminologe Norbert Leygraf seine Studie durchführen und seine Ergebnisse publizieren konnte und der Abschlussbericht der Missbrauchshotline ebenfalls der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Denn wer etwas unter den Teppich kehren wollte, müsste der nicht alles verschwinden lassen?

Aber auch, wenn die Vorwürfe nicht überzeugen – das Ansehen der Kirche ist weiter beschädigt. Jetzt muss die Studie mit einem neuen Partner zügig zu Ende geführt und publiziert werden. Dies ist die Kirche vor allem den vielen Opfern schuldig, deren Zahl in die Tausende geht. Und wer die bisherigen Anstrengungen sieht, kann am Willen der Bischöfe keine Zweifel haben.

 

 

Das Ende der Selbstverständlichkeit

Langsam kann man die ganzen Shitstorms, die tagtäglich durch das Netz fegen, nicht mehr zählen. Einer davon betraf in den letzten Tagen eine Dortmunder Kirchengemeinde.

Was war passiert? Ein kleiner Junge stirbt im Alter von neun Jahren an Krebs. Weil er BVB-Fan ist, wünscht er sich eilnen Grabstein mit BVB-Logo. Seine Eltern, die nicht zu dieser Gemeinde gehören, lassen ihr ungetauftes Kind auf dem katholischen Friedhof beerdigen und reichen den Entwurf eines Grabsteins beim Kirchenvorstand ein. Mit BVB-Logo, dem Slogan „Echte Liebe“ und einem Fußball. Der Kirchenvorstand, ein Gremium, das aus Laien (also vermutlich auch dem einen oder anderen Vater oder Mutter) besteht, lehnt diesen Entwurf zunächst wegen des Fehlens christlicher Symbole ab, bietet jedoch ein Gespräch an. Denn dem Jungen seinen letzten Wunsch zu erfüllen, stand auch für den Kirchenvorstand nie in Frage.

Daraufhin entsteht eine Facebook-Gruppe, es wird zu Demonstrationen aufgerufen, und sogar die überregionalen Medien berichten – und die Kirchengemeinde (die nichts anderes wollte, als ein christliches Symbol auf einem christlichen Friedhof) kommt alles andere als gut dabei weg.

Schlussendlich kommt es zu einem Gespräch, Familie und Gemeinde einigen sich, der Grabstein trägt das BVB-Logo, den Schriftzug „Echte Liebe“ und ein christliches Symbol, nur der Fußball wird weniger prägnant.

Ich habe mich gefreut, dass es so gekommen ist. Denn am Ende des Tages geht es um das Grab eines Neunjährigen. Und auch um Eltern, die bei jedem Besuch am Grab ihres Kindes daran erinnert worden wären, dass sie seinen letzten Wunsch nicht erfüllen konnten.

Doch natürlich frage ich mich auch, was zu derartigen Reaktionen geführt haben kann. Dabei geht es mir weder um das konkrete Verhalten des Kirchenvorstands noch um das der Eltern. Denn ich kenne den Fall so wie alle anderen nur aus der Presse und erlaube mir kein Urteil.

Was mich als Kommunikationsmensch interessiert ist die Reaktion der Massen. Was ließ die Wellen so hoch schlagen und vor allem: Hätte man es verhindern können?

Die Diskussion entzündete sich daran, dass der Stein nicht der Friedhofssatzung entsprach. Doch gerade in diesem Fall sind Satzungen ja kein Selbstzweck. Sie geben dem, was Menschen glauben und worin sie ihre Hoffnung setzen, eine Rechtsform. Hinter der Satzung stehen also Glaubenssätze.

Das geht so lange gut, wie die Menschen diese Glaubenssätze kennen und anerkennen. Friedhöfe sind Orte des Glaubens an die Auferstehung. In diesem Glauben sind dort die Toten bestattet und dieser Glaube gibt ihren Angehörigen Kraft. Deshalb gehören dort auch die Symbole hin, die für diese Auferstehung stehen. Auf einem katholischen Friedhof geht es um den Sieg über den Tod und nicht um den Gewinn von Meisterschaften. Wer das weiß und wer weiß, wie viel Kraft diese Symbole Trauernden geben können für den ist klar, dass ein solcher Stein in der vorgeschlagenen Form nicht genehmigt werden konnte.

Fehlt aber das Wissen um diese Hintergründe, dann bleiben freilich nur Vorschriften auf Papier. Regeln, die man auslegen kann, von denen es Ausnahmen gibt, wo man ein Auge zudrücken und fünfe gerade sein lassen kann. Und es gibt eine Kirche, die sich an diese Vorschriften klammert und zu hartherzig ist, um davon abzurücken. Da kann man schon mal wütend werden.

Wenn Kirchen also Entscheidungen verkünden, reicht der Verweis auf Satzungen und Regeln heute nicht mehr aus. Es geht darum, die Entscheidung aus dem Glauben zu begründen. Dass das verständlich gemacht wird, was eben leider nicht mehr selbstverständlich ist. Auch dann wird freilich der eine oder andere auf die Kirche eindreschen. Mancher aber wird nachdenken und der eine oder andere vielleicht verstehen.

Mein Fazit: In einer Zeit, in der die Menschen religiös unmusikalisch werden, muss Kirche die Glaubenswahrheiten erklären, die hinter ihrem Handern stehen. Das kann auch eine Chance sein.

Schlussbemerkung: Ich lebe zwar in Dortmund, habe aber keinen Kontakt zu den Betroffenen Kirchengemeinden. Und auch wenn ich gerne ins Stadion gehe und die Begeisterung nachvollziehen kann, ist der BVB nur mein zweitliebster Fußballverein.

 

Mythos Krupp

Treppenaufgang Zollverein

Das Krupp-LogoEs gibt Museen, an denen man sich einfach nicht satt sieht. Das Ruhrmuseum auf der Zeche Zollverein in Essen gehört dazu. In die imposante Kulisse der alten Zeche (ja, genau die mit dem roten Förderturm)  wurde ein Museum integriert, das die Geschichte des Ruhrgebietes anschaulich macht. Die seiner Industrie, seiner Menschen, seiner Natur – quasi ein Heimatmuseum für Deutschlands größten Ballungsraum.

Hier findet zur Zeit eine Ausstellung statt, die dem Konzern (und den Menschen dahinter) gewidmet ist: dem “Mythos Krupp”.

Schon im Eingangsbereich werden die zwei Gesichter dieses Mythos deutlich: Auf der einen Seite eine Wand mit Karrikaturen aus Zeitungen und Zeitschriften, die Krupp als Kapitalisten zeigen, der sich duch den Verkauf seiner Kanonen an Krieg und Leid bereichert. Gegenüber werden Postkarten gezeigt, die begeisterte Reisende aus der Essen – dem Sitz der Krupps – schrieben. Sie tragen die stolze Aufschrift: “Grüße aus der Kanonenstadt”.

Die Mitte des zentralen Raumes der Ausstellung, ist der Familie Krupp und ihrer Geschichte gewidmet. Wer die Ausstellung betritt, läuft geradewegs auf diese Exponate zu. So wird die Familie Krupp zum Ausgangs- und Mittelpunkt für den Rundgang und man bekommt eindrucksvoll eine der Grundlagen für den Mythos Krupp präsentiert: Die Bereitschaft, sich voll und ganz dem Unternehmen zu verschreiben.

Um diesen Bereich herum wird einerseits die Geschichte des Konzerns, seiner Erfindungen – von den ersten Feilen und Gerberwerkzeugen, den nahtlosen Eisenbahnreifen über Kriegsgerät bis zu Zahnkronen – gezeigt. Andererseits finden hier auch die Menschen ihren Platz: Finanziers, Ingenieure, Manager. Aber auch die einfachen “Kruppianer” in ihren Werkswohnungen, die für die Treue zum Unternehmen mit Uhren und Ehrenzeichen belohnt wurden und ihre Einkäufe in der Konsum-Tüte nach Hause trugen. Hier wird auch das soziale Engagement dargestellt und gewürdigt. Und wir entdecken weitere Elemente dessen, was den Mythos ausmacht: Erfindungsreichtum, Forschergeist und Loyalität, die freilich gut belohnt wurden.

Um den zentralen Raum herum wird in mehreren kleineren Räumen die Beziehung von Krupp zu Gesellschaft und Politik gezeigt. Eine Nähe zu den Mächtigen, die half, den Stahl für Eisenbahnen und Kanonen zu verkaufen – und ebenfalls den Mythos Krupp erschuf. Die prachtvolle Villa Hügel und die Monarchen und Staatschefs, die dort zu Gast waren. Das gesellschaftliche Engagement und das Mäzenatentum. Aber auch die Selbstdarstellung in den Filmen der “kinematographischen Abteilung” des Unternehmens und seine Inszenierung bei Jubiläumsfeiern.

Auf diese Art und Weise entsteht aus 1.500 Exponaten ein buntes Bild eines Konzerns, der Menschen an seiner Spitze und seinen normalen MitarbeiterInnen und seiner Zeit. Ein Bild, das beeindruckt.

Kurzum: Eine Ausstellung, die sich lohnt. Und die (kleiner Wink mit dem Zaunpfahl) noch bis zum 4. November geöffnet hat.

 

Aufbrüche

Logo des KatholikentagesSo. Das wars. Alle Flyer und Kugelschreiber sind ausgepackt, das Lebkuchenherz vom Bistum München und Freising ist angeknabbert, der Schal und die Teilnehmerkarte, die mich vier Tage lang begleitet haben, werden demnächst bei den Schals und Teilnehmerkarten der anderen Kirchen- und Katholikentage landen. Zeit für ein erstes Resümee des 98. Deutschen Katholikentages in Mannheim: War das der Aufbruch? Ging ein Ruck durchs Kirchenschiff? Oder war vielleicht alles doch ganz anders?

Eines gleich vorweg: Bei einem mehrere hundert Seiten starken Programmbuch erlebt jede/r den Katholikentag anders. Deshalb sind das auch nur meine persönlichen Eindrücke, sicherlich haben es viele ganz anders erlebt.

Ein Katholikentag auf der Suche …

Ich habe einen Katholikentag erlebt, der von der Suche nach Antworten geprägt war. Und zwar nicht nach Antworten auf die klassischen Standardfragen von „Wir sind Kirche“ und Co. Also den Fragen die nur Rom entscheiden kann. Und auch die Hybris, dass die deutschen Katholiken Rom in die Knie zwingen, war zwar hier und da zu hören, den Ton aber hat sie nicht bestimmt. Der Schwanz hat nicht mit dem Hund gewedelt und das war auch gut so.

Nein, es ging um die Frage, wie wir den Glauben zu den Menschen bringen. Wie Gemeinde in immer größeren pastoralen Räumen (er-)lebbar wird. Welche Angebote wir denen machen können, die keinen Bezug mehr zur Kirche haben. Oder anders gesagt: Wie Kirche zu den Menschen aufbricht.

Aufbrüche zu den Menschen

Beispiele für dieses Aufbrechen zu den Menschen gab es an allen Ecken und Enden. Vier möchte ich kurz schildern, weil sie mich ganz besonders beeindruckt haben: Da war zum einen eine Bibelarbeit mit Sr. Jordana Schmidt – nicht in einer Schule, Kirche oder in einem Kongresszentrum, nein, mitten auf dem Marktplatz, das Wort Gottes mitten unter den Menschen. Das ist nicht neu und jeder, der bei einer Prozession mitgegangen ist kennt das. Aber auch das ist ein Signal.

Oder auch, dass das Thema Fundraising auf dem Katholikentag aufgegriffen wurde. Nun kann man sich natürlich fragen, was das sammeln von Spenden mit unserem Glauben an sich zu tun hat, denn das wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Wenn ich Menschen dafür begeistern will, eine Sache mit ihren Spenden zu unterstützen, muss ich mich selbst dazu bekennen, muss mein Anliegen an die Öffentlichkeit tragen und zeigen, wie gut und wichtig es ist. Auch Fundraising ist nur möglich, wenn ich Menschen die Arbeit in der Gemeinde nahe bringe. Und dadurch vielleicht auch den einen oder anderen zum Mitmachen begeistere. Zugegeben: Wer Menschen um Spenden bittet, dem geht es in erster Linie um einen neuen Anstrich für die Kirche, die nächste Jugendfreizeit oder die Fenster im Gemeindehaus. Aber trotzdem wird, sozusagen „huckepack“ die Arbeit der Gemeinde nach außen getragen.

Oder der Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig: Eine Gemeinde mit einem Altersdurchschnitt von 37 (!) Jahren engagiert sich für den Neubau einer Kirche. Auch hier: Aufbruch zu den Menschen und zwar mittenrein.

Oder die engagierten Katholiken, die mitten in der Stadt einen offenen Treffpunkt etablieren um für Menschen mit Gesprächs- und Beratungsangeboten da zu sein und so ebenfalls Kirche zu den Menschen zu bringen.

Ganz Mannheim war an diesen Tagen voller solcher Aufbrüche zu den Menschen. Sie wurden als Projekte vorgestellt, es wurde darüber in Podien diskutiert und man tauschte sich – übrigens auch mit evangelischen Mitchristen, die gleiche Probleme haben – aus.

Dazu gab es natürlich ergreifende Gottesdienste, mitreißende Musik, Kabarett (von freilich sehr unterschiedlicher Qualität) und vieles vieles mehr. Jeder Tag war ein Tag voller Eindrücke. Und jeder Tag war voller großer und kleiner Aufbrüche, gemeinsam gewagt von Priestern und Laien, Männern und Frauen, Katholiken und Protestanten. Mit Mut, Engagement und – auch das war spürbar – getragen vom Geist Gottes und dem Bewusstsein, dass wir alle gesandt sind.

So gesehen ist DER Aufbruch in Mannheim ausgeblieben. Aber überall waren viele kleine Aufbrüche zu sehen. Viele Menschen tun an vielen Orten viele kleine Schritte. Das macht Mut.

 

40 Tage, die besser sind als ihr Ruf

Nach den Karnevals- und Fasnetstagen mit Musik, Party, Tanzen, tollen Leuten, Schlafmangel und Flüssigkeitsüberschuss heißt es nun „Gedenke, dass Du Staub bist“. Die Fastenzeit hat begonnen. Eine Zeit, die man allgemein mit Verzicht, Zwang oder Selbstkasteiung gleichsetzt. Aber ist das wirklich so?

Der Mensch, so heißt es, sei ein Gewohnheitstier. Indem ich an der Fastenzeit auf Gewohntes verzichte oder Ungewohntes tue, breche ich dieses Muster auf. Ich lerne, dass ich stark genug bin, auf Dinge zu verzichten und dass mich meine Gewohnheiten eben nicht im Griff haben. So gesehen zeigen mir diese 40 Tage jedes Mal, dass ich Dinge in meinem Leben ändern kann.

Und das ist noch nicht alles. Denn dadurch, dass ich aus dem Gewohnten ausbreche wird jeder Tag anders. Und ich erinnere mich immer, z.B. wenn ich am Schokoladenregal vorbeigehe oder was man sonst so alles in der Fastenzeit tut, warum das so ist: Weil wir in der Fastenzeit auf Ostern hinleben. Auf das Fest, an dem wir das Leben feiern, das – wie es in einem Kirchenlied heißt – den Tod erwürgt hat. Das macht aus einer Zeit des Verzichts eine Zeit der Vorfreude.

 

In diesem Sinne Euch und Ihnen eine vor-freudige und besinnliche Fastenzeit.

 

Weihnachten 2011 – oben und unten

Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser, wann haben Sie zum letzten Mal über „die da oben“ geschimpft? Über die Bahnvorstände, zum Beispiel, die ruhig mal im überfüllten Regionalexpress zur Arbeit fahren könnten. Über die Millionäre in den Fußballklubs, die ruhig mal mitkriegen sollten, wie dem Fan auf den Stehplätzen zumute ist, wenn die Herren Spieler zu faul zum laufen sind. Über die Besser- und Großverdiener, die mal versuchen sollten, mit einem kleinen Gehalt einen Monat lang über die Runden zu kommen. Von (Ex-) Ministern, Abgeordneten oder Präsidenten ganz zu schweigen. „Die haben ja alle keine Ahnung vom wirklichen Leben“ – fragen Sie dazu einmal den Stammtisch Ihres Vertrauens.

Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? An Weihnachten passiert nämlich genau das: Der Höchste wird ganz klein, hilflos und geht mitten unter die Menschen. Nicht dahin wo es glänzt und leuchtet, sondern zu Lieschen Müller, Max Mustermann, Otto Normalverbraucher – eben zu den kleinen Männern und Frauen auf der Straße. Gott wird Mensch in Jesus Christus mit allen Konsequenzen. Der Allerhöchste erlebt und erleidet alles, was die Menschen da unten bewegt. Ich finde das unendlich tröstlich, denn es heißt auch, dass wir alles vor diesen liebenden Gott tragen dürfen: Sorgen, Nöte und Ängste ebenso wie ein Herz, das vor Freude und Dankbarkeit beinahe platzt.