Was reden die denn?

„Was reden die denn?“ wird sich mancher fragen, wenn er von Pfingsten hört (oder hierher gekommen ist, weil er oder sie den Begriff gegoogelt hat). Deshalb möchte ich hier kurz erklären, worum es geht.

In der Altstadt von Jerusalem bezeichnet dieses schild den Ort, an dem Jesus von Pontius Pilatus gegeißelt worden sein soll. Fünfzig Tage später findet in Jerusalem das Pfingstereignis statt.

Wenn das Neue Testament eine Serie wäre, Pfingsten wäre der Beginn von Staffel 2.

Wenn wir uns das Neue Testament als Serie vorstellen, dann endet die erste Staffel an Ostern mit der Auferstehung Jesu. Die Pfingsterzählung ist dann die erste Folge von Staffel 2, der Apostelgeschichte. In Jerusalem hat sich die Aufregung um die Kreuzigung und das rätselhafte Verschwinden des Leichnams von Jesus Christus gelegt. Dass dieser Jesus auferstanden sein soll, dieses Gerücht wird wohl die Runde gemacht haben, aber für die überwiegende Mehrheit der Menschen jener Zeit sind das wohl „Fake News“.

Ganz anders für die Freundinnen und Freunde Jesu. Sie treffen sich, vermutlich heimlich, in einem Haus. Nach draußen trauen sie sich nicht, denn schließlich hat man ja gesehen, was dabei rumkommt, wenn man sich mit den religiösen und politischen Machthabern anlegt.

Und dann passiert es: Der Geist Gottes erfüllt sie, sie gehen hinaus und reden zu den Menschen. Und obwohl sich Menschen aus allen damals bekannten Ländern und Kulturen in Jerusalem aufhielten, konnte sie jeder in seiner Sprache verstehen. Der heilige Geist hatte also gleich zwei Wunder vollbracht: Er hat die Mutlosen mutig gemacht, um vor allen zu sprechen. Und das so, dass jeder sie verstehen konnte.

Und so geht es weiter: Die Freunde von Jesus, die Apostel, ziehen durchs Land, begeistern immer mehr Menschen für die Lehre von Jesus Christus und das Christentum entsteht.

Was reden die denn?

„Was reden die denn?“ habe ich mich immer gefragt, wenn ich diese Geschichte im Gottesdienst höre. Denn die Bibel berichtet nur , dass die Apostel zu den Menschen geredet haben, aber nicht was sie gesagt haben. Gelehrte Theologen, die man hätte zitieren können, gab es noch nicht. Es gab auch noch keine Glaubenssätze, keine Stellungnahmen von Amts- und Würdenträgern. Nichts, was Ausschüsse hätten beraten und Gremien verabschieden können. Und erst recht keine Sprechregelungen, die Kommunikationsexperten hätten an den Zeitgeist anpassen können. Wovon sie erzählen konnten, war wie die Begegnung mit Jesus Christus ihr Leben verändert hat.

Und heute?

Und heute? Auf der einen Seite wird über das Vermögen der Kirche schwadroniert, Meldungen über Kirchenaustritte und Skandale beinahe genüsslich kolportiert. Glaube ist nur etwas für „Religioten“ und gehört sowieso überwunden. Kurzum: Katholisch zu sein ist heute in manchen Kreisen fast so uncool wie vor 2.000 Jahren. Auf der anderen Seite suchen wir wie vor 2.000 Jahren Wege, Menschen für Jesus Christus zu be-geistern.

Vielleicht ist die Lösung heute die gleiche, die schon vor 2.000 Jahren funktioniert hat: Darüber reden, warum wir Christinnen und Christen sind und dementsprechend handeln. Und dass die Botschaft ankommt, dafür dürfen wir getrost auf den Heiligen Geist vertrauen. Denn der ist immer noch unter uns. Wie an jenem Morgen vor 2.000 Jahren in Jerusalem.

Frohe Pfingsten.

Ein Gedanke zu „Was reden die denn?“

  1. Schöner Artikel über die viel zu selten erzählte Geschichte von Pfingsten. Dabei lässt sie sich wunderbar in die heutige Zeit übertragen, wie du ja auch gezeigt hast. Und selbst für die, die mit Religion nichts anfangen können, wäre das eine Geschichte, die Mut machen kann.
    Liebe Grüße Elke

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