Aschermittwoch: Die Inventur des Lebens

“Wegen Inventur geschlossen” kann man am Jahresanfang immer noch ab und zu an Geschäften lesen. Und eigentlich ist die Fastenzeit etwas ganz Ähnliches: Es ist die Möglichkeit, über sein Leben nachzudenken.

Ganz am Anfang des Christentums war die Osternacht – also die Nacht zwischen Karsamstag und Ostersonntag – der Termin, an dem getauft wurde. Der Zeitpunkt, an dem das neue Leben als Christin oder Christ begann. Wer vor der Taufe stand, bereitete sich in den 40 Tagen (warum es 40 sind, davon später mehr) vor Ostern auf die Taufe vor. Und wer schon getauft war, für den boten diese 40 Tage Zeit und Gelegenheit, noch einmal zurückzuschauen auf das vergangene Jahr: Wie war sie gelaufen, die Zeit in der Nachfolge von Jesus Christus?

Und das ist – glaube ich – auch die große Frage, die der Aschermittwoch an mich stellt: Wie war ich so, als Christ?

Ganz zentral ist für mich dabei das Aschenkreuz.

Zum einen, weil es mich daran erinnert, dass ich Staub und Asche bin und dass ich und alles andere auch irgendwann wieder zu Staub zerfallen. Für mich jedes Mal ein krasser Moment: Vor noch nicht einmal 24 Stunden hat man gefeiert, gegessen, getrunken und gelacht. Man war mittendrin im prallen Leben und dann heißt es im wahrsten Sinn des Wortes “Asche auf mein Haupt”. Wenn aber alles zu Asche und Staub, bzw. zu Plastikmüll und Elektronikschrott wird, was bleibt dann? Bleibt überhaupt etwas?

Jesus Christus gibt uns auch dafür eine Antwort. In der Bergpredigt, seiner großen Rede an das Volk Israel, heißt es:

Häuft keine Schätze auf der Erde an – wo Motten und Würmer sie fressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. Sondern häuft Euch Schätze im Himmel an – wo weder Motten noch Würmer sie fressen und wo keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo Dein Schatz ist, da wird auch Dein Herz sein.

Matthäus 6,19

Aschermittwoch stellt mir also auch die Frage: Woran hängt mein Herz, wo habe ich meinen Schatz?

Und dann gibt es noch das Aschenkreuz als sichtbares Zeichen, dass ich im Gottesdienst war. An Aschermittwoch erkennt also jeder auf den ersten Blick, dass ich Christ bin.

Woran sieht man das an den anderen 364 Tage? Auch das fragt mich der Aschermittwoch.

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