Glaubwürdigkeit ist unbezahlbar

Erst kam der Papst, dann kamen die Pornos. So könnte man die Ereignisse der letzten Wochen um Erotik-Literatur beim Weltbild-Verlag reißerisch überschreiben. Denn kaum ist das Thema „Papstbesuch“ in den Medien abgearbeitet, kommt ans Tageslicht, dass sich beim katholischen Weltbildverlag erotische Literatur findet. Ein Sturm im Wasserglas? Künstliche Empörung? Keineswegs wie ich meine.

Gut, wenn Weltbild irgendein Medienunternhemen wäre, könnte man das Ganze getrost vergessen. Denn die Homepage offeriert Erotikliteratur erst nach einer Suchanfrage und der Umsatz mit dieser Sparte macht laut Angaben von Weltbild nur 0.017% des Umsatzes aus.

Doch Weltbild ist nicht irgendein Unternehmen, es gehört – vereinfacht gesagt – zur katholischen Kirche. Und wer moralische Grundsätze predigt und sie von seinen Gläubigen verlangt, der darf mit etwas, dass gegen diese Regeln verstößt, kein Geld verdienen. Denn sonst verliert er etwas was unbezahlbar ist: seine Glaubwürdigkeit. Da hilft auch es auch nicht, dass man nur ein bisschen Geld damit verdient hat. Würden wir einem Sportler zujubeln, der nur ein bisschen dopt oder einen Politiker wählen, der nur ein bisschen Bestechungsgeld genommen hat? Eben.

Wer heute Menschen für eine Botschaft begeistern will, muss sie glaubwürdig und authentisch leben. Es gibt keinen Vertrauensvorschuss, weder für Parteien, noch für Gewerkschaften, Verbände oder Kirche. Deshalb wäre eine radikale Bereinigung und eine Umstellung des Sortimentes nicht nur der richtige Schritt. Es ist auch der einzig Mögliche, wenn die Kirche ernst genommen werden möchte. Und das sollte 0,017% wert sein.

Nachtrag: Gerade lese ich hier, dass der Aufsichtsrat zurückgetreten ist.

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