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Schau genau

 

Die eine hat 16 Seiten, der andere kostet 31 Millionen und beide sind zur Zeit die Topmeldungen, wenn es um die Katholische Kirche geht. Doch die Handreichung zur Pastoral bei wiederverheirateten Geschiedenen und der neue Limburger Bischofssitz haben noch mehr gemeinsam. Sie zeigen, wie wichtig es ist bei allem, was über kirchliche Themen berichtet wird, ganz genau hinzuschauen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

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Heimat? Warum nur eine?

So ist das mit Twitter. Plötzlich landen da 140 Zeichen in meiner Timeline, die mich auf eine Idee bringen. Eine, die einen dann nicht mehr loslässt, bis man schließlich in die Tasten haut. So entstand dieser Beitrag zur Blogparade von @katjazwitschert zum Thema Heimat.

 

Was ist Heimat für mich? Ich habe an vielen Orten gelebt und mich eigentlich überall mehr oder weniger zuhause gefühlt. Aber zuhause ist nicht Heimat. Heimat ist für mich da, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Ich bin Schwabe, was man noch hört, und ich komme immer wieder gerne nach Hause. Gehe in Kneipen, in denen schon mein Großvater gewesen sein muss. Gehe in die Kirche, in der meine Eltern geheiratet haben, und in der ich getauft wurde. Treffe die alten Freunde und auch wenn man sich manchmal Jahre nicht gesehen hat, ist alles noch wie früher. So gesehen ist Heimat wie ein alter bequemer Schuh. Man schlüpft hinein und es passt einfach.

 

Heimat ist aber auch das Ruhgebiet. Weil meine Frau “von da wech is”. Weil ich als bekennendes Landei immer wieder von seiner Vielfalt fasziniert bin. Und weil es voller toller, liebenswerter, manchmal verrückter Menschen ist. Menschen, die Worte wie “Zuagroaster” oder “Reigschmeckter” nicht kennen. Die es einem leicht machen, nicht nur hier zu wohnen, sondern hier auch zu leben.

Aber was verbindet nun eine schwäbische Kleinstadt mit einer Großstadt im Ruhrgebiet? Ich glaube, es ist diese tierische Freude, wenn man dorthin wieder zurückkommt. Heimat ist ein Ort, auf den man sich freut, nicht nur weil einem die Straßen, Häuser und Plätze gefallen. Sondern weil einen mit den Menschen, die dort leben, Geschichten Erinnerungen verbinden. In meinem Leben gibt es davon zwei. Und das ist gut so.

 

Bürstenfroschs little Helper

Mothers little Helper war ein Song der Beatles, in dem es – wenn ich mich recht erinnere – um Pillen geht, die man schluckt, um mit dem Alltag besser umgehen zu können. Entspannen Sie sich, denn darum geht es in dieser Rubrik nicht. Hier stehen alle die kleinen Helferlein im Mittelpunkt, mit denen man seinen Alltag organisiert, sich die Zeit vertreibt oder lange Zugfahrten nutzt, um Arbeiten zu erledigen. Zum Beispiel Artikel wie diesen schreiben. Kurz und gut, die Rede ist von Android Apps. Vorhang auf.

 

Der leise Lehrer

Es darf wieder spekuliert werden: Wer von denen, die ins Konklave ziehen, wird als Papst wieder herauskommen? Jeder Kommentator hat einen Wunsch frei und so mancher Möchtegern-Dan Brown sieht Verschwörer und Strippenzieher hinter jeder Säule des Petersplatzes ihr Ränkespiel treiben. Ich muss darüber allenfalls schmunzeln, lehne mich zurück und darf darauf vertrauen, dass der Heilige Geist das schon alles richten wird.

Trotzdem denke ich darüber nach, wie ich dieses Pontifikat empfunden habe. Wie habe ich den “Wir-sind-Papst”-Papst erlebt?

Mir wird vor allem seine Bescheidenheit in Erinnerung bleiben. Diese Überwältigung in seinem Gesicht auf dem Hügel auf dem Marienfeld beim Weltjugendtag. Als könnte er nicht fassen, dass die ganzen Jugendlichen zu ihm gekommen waren. Dass er als bedeutender Theologe und Oberhaupt der katholischen Kirche im Vorwort seines Jesus-Buches die Leserinnen und Leser um Sympathie bittet und klarstellt, dass jedem frei steht, im zu widersprechen. Das sind nicht die Worte eines “Panzerkardinals” auf dem Stuhl Petri.

Und er war ein Lehrender. Kein Manager, kein Anführer mit Anspruch auf Personenkult. Ihm ging es darum, den Glauben zu verkünden und zu erklären. Das hat er getan, in Reden, Vorträgen und nicht zuletzt in seinen Jesus-Büchern. Gelehrt, gebildet und auf hohem Niveau. Und vielleicht war das eines der Probleme seines Pontifikates: Eine Gesellschaft, in der Nachrichten auf 140 Zeichen schrumpfen, Informationen häppchenweise aufbereitet werden müssen und selbst so etwas Kompliziertes wie eine Steuerreform doch bitteschön auf einen Bierdeckel zu passen hat, nimmt sich nicht die Zeit, Argumentationsketten zu folgen oder Gedankengebäude zu erkunden. Vielleicht wird uns erst die Geschichte zeigen, was für einen großen Papst wir hatten. Damals, als wir Papst waren.

Übrigens: Hier geht es zu Bildern vom Papstbesuch in Freiburg

Kiloweise Links

Hier kommt eine kleine Linksammlung zu Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Professor Pfeiffer und den katholischen Bischöfen.

  • domradio.de berichtet hier über die Veröffentlichung der Ergebnisse der Telefonhotline für Opfer sexuellen Missbrauchs.
  • Über den Eklat zwischen Professor Pfeiffer und den Bischöfen schreibt die FAZ.
  • Der Direktor des Institutes für forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, Norbert Leygraf nimmt die Kirche gegen Zensurvorwürfe in Schutz.
  • Der STERN lässt es an klaren Worten nicht fehlen. In beide Richtungen.
  • Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck nimmt Stellung.
  • Lesenswert ist auch dieser Kommentar von Eckhard Bieger SJ

 

Audietur et altera pars …

… ist ein Rechtsgrundsatz der besagt, dass man immer beide Teile anhören soll. Im Fall der Kölner Klinik, die ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abgewiesen hat heißt das, auch Verantwortliche der Klinik zu Wort kommen zu lassen. Der WDR hat dies getan und ein Interview mit dem ärztlichen Direktor des St. Vinzenz-Hospitals ausgestrahlt. Hier ist der Link dazu, der Beitrag hat den Titel “Katholische Kliniken in Bedrängnis”. Und er rückt die Sache in ein etwas anderes Licht.

Geschiedene Leute

Nun sind die deutschen Diözesen und Professor Pfeiffer geschiedene Leute. Doch wer der Kirche nun eine Blockadehaltung oder mangelnden Willen unterstellt, schüttet nicht nur das Kind mit dem Bad aus, er liegt auch falsch.

Mit dem Schritt, sämtliche Personalakten zugänglich zu machen, ist die Kirche sehr weit gegangen. Stellen wir uns einfach folgendes vor: Die Krankenkassen werfen Ärztinnen und Ärzten Bestechlichkeit vor, und es kommt zu Unregelmäßigkeiten bei der Organspende. Beides sind strafbare Handlungen. Um diese Delikte zu untersuchen, beschließt man ein Gesetz, das alle Krankenhausträger verpflichtet, die Personalakten des Klinikpersonals offen zu legen. Ich möchte mir weder die allgemeine Empörung vorstellen, noch auf die verbleibende Amtszeit des Gesundheitsministers wetten.

Doch genau das haben die Bischöfe getan. Und damit ihre Fürsorgepflicht als Arbeitgeber hinten angestellt, um einem höheren Ziel, nämlich der Aufklärung zu dienen. Dass dann aber Diskretion, Datenschutz und Vertrauen in den Leiter der Studie die allergrößte Rolle spielen, liegt auf der Hand.

Wer sich dieses Zwiespalts bewusst ist, der bringt Verständnis dafür auf, dass die Bischöfe einem Projektleiter, mit dem sie sich nicht verständigen können und dem sie nicht mehr vertrauen, den Auftrag entziehen. Dies geschah freilich nicht vorschnell oder im Hauruck-Verfahren, sondern erst nach einem Mediationsprozess. Hätte man die Studie seitens der Kirche torpedieren wollen, hätte man auf diese aufwendige Vorgehensweise verzichten können. Andererseits leuchtet auch nicht ein, warum ausgerechnet diese eine Studie verhindert werden sollte, während Untersuchungen bereits im Bistum München-Freising durchgeführt wurden, der Kriminologe Norbert Leygraf seine Studie durchführen und seine Ergebnisse publizieren konnte und der Abschlussbericht der Missbrauchshotline ebenfalls der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Denn wer etwas unter den Teppich kehren wollte, müsste der nicht alles verschwinden lassen?

Aber auch, wenn die Vorwürfe nicht überzeugen – das Ansehen der Kirche ist weiter beschädigt. Jetzt muss die Studie mit einem neuen Partner zügig zu Ende geführt und publiziert werden. Dies ist die Kirche vor allem den vielen Opfern schuldig, deren Zahl in die Tausende geht. Und wer die bisherigen Anstrengungen sieht, kann am Willen der Bischöfe keine Zweifel haben.

 

 

Mythos Krupp

Treppenaufgang Zollverein

Das Krupp-LogoEs gibt Museen, an denen man sich einfach nicht satt sieht. Das Ruhrmuseum auf der Zeche Zollverein in Essen gehört dazu. In die imposante Kulisse der alten Zeche (ja, genau die mit dem roten Förderturm)  wurde ein Museum integriert, das die Geschichte des Ruhrgebietes anschaulich macht. Die seiner Industrie, seiner Menschen, seiner Natur – quasi ein Heimatmuseum für Deutschlands größten Ballungsraum.

Hier findet zur Zeit eine Ausstellung statt, die dem Konzern (und den Menschen dahinter) gewidmet ist: dem “Mythos Krupp”.

Schon im Eingangsbereich werden die zwei Gesichter dieses Mythos deutlich: Auf der einen Seite eine Wand mit Karrikaturen aus Zeitungen und Zeitschriften, die Krupp als Kapitalisten zeigen, der sich duch den Verkauf seiner Kanonen an Krieg und Leid bereichert. Gegenüber werden Postkarten gezeigt, die begeisterte Reisende aus der Essen – dem Sitz der Krupps – schrieben. Sie tragen die stolze Aufschrift: “Grüße aus der Kanonenstadt”.

Die Mitte des zentralen Raumes der Ausstellung, ist der Familie Krupp und ihrer Geschichte gewidmet. Wer die Ausstellung betritt, läuft geradewegs auf diese Exponate zu. So wird die Familie Krupp zum Ausgangs- und Mittelpunkt für den Rundgang und man bekommt eindrucksvoll eine der Grundlagen für den Mythos Krupp präsentiert: Die Bereitschaft, sich voll und ganz dem Unternehmen zu verschreiben.

Um diesen Bereich herum wird einerseits die Geschichte des Konzerns, seiner Erfindungen – von den ersten Feilen und Gerberwerkzeugen, den nahtlosen Eisenbahnreifen über Kriegsgerät bis zu Zahnkronen – gezeigt. Andererseits finden hier auch die Menschen ihren Platz: Finanziers, Ingenieure, Manager. Aber auch die einfachen “Kruppianer” in ihren Werkswohnungen, die für die Treue zum Unternehmen mit Uhren und Ehrenzeichen belohnt wurden und ihre Einkäufe in der Konsum-Tüte nach Hause trugen. Hier wird auch das soziale Engagement dargestellt und gewürdigt. Und wir entdecken weitere Elemente dessen, was den Mythos ausmacht: Erfindungsreichtum, Forschergeist und Loyalität, die freilich gut belohnt wurden.

Um den zentralen Raum herum wird in mehreren kleineren Räumen die Beziehung von Krupp zu Gesellschaft und Politik gezeigt. Eine Nähe zu den Mächtigen, die half, den Stahl für Eisenbahnen und Kanonen zu verkaufen – und ebenfalls den Mythos Krupp erschuf. Die prachtvolle Villa Hügel und die Monarchen und Staatschefs, die dort zu Gast waren. Das gesellschaftliche Engagement und das Mäzenatentum. Aber auch die Selbstdarstellung in den Filmen der “kinematographischen Abteilung” des Unternehmens und seine Inszenierung bei Jubiläumsfeiern.

Auf diese Art und Weise entsteht aus 1.500 Exponaten ein buntes Bild eines Konzerns, der Menschen an seiner Spitze und seinen normalen MitarbeiterInnen und seiner Zeit. Ein Bild, das beeindruckt.

Kurzum: Eine Ausstellung, die sich lohnt. Und die (kleiner Wink mit dem Zaunpfahl) noch bis zum 4. November geöffnet hat.