Archiv der Kategorie: Essen und Trinken

40 Tage, die besser sind als ihr Ruf

Nach den Karnevals- und Fasnetstagen mit Musik, Party, Tanzen, tollen Leuten, Schlafmangel und Flüssigkeitsüberschuss heißt es nun „Gedenke, dass Du Staub bist“. Die Fastenzeit hat begonnen. Eine Zeit, die man allgemein mit Verzicht, Zwang oder Selbstkasteiung gleichsetzt. Aber ist das wirklich so?

Der Mensch, so heißt es, sei ein Gewohnheitstier. Indem ich an der Fastenzeit auf Gewohntes verzichte oder Ungewohntes tue, breche ich dieses Muster auf. Ich lerne, dass ich stark genug bin, auf Dinge zu verzichten und dass mich meine Gewohnheiten eben nicht im Griff haben. So gesehen zeigen mir diese 40 Tage jedes Mal, dass ich Dinge in meinem Leben ändern kann.

Und das ist noch nicht alles. Denn dadurch, dass ich aus dem Gewohnten ausbreche wird jeder Tag anders. Und ich erinnere mich immer, z.B. wenn ich am Schokoladenregal vorbeigehe oder was man sonst so alles in der Fastenzeit tut, warum das so ist: Weil wir in der Fastenzeit auf Ostern hinleben. Auf das Fest, an dem wir das Leben feiern, das – wie es in einem Kirchenlied heißt – den Tod erwürgt hat. Das macht aus einer Zeit des Verzichts eine Zeit der Vorfreude.

 

In diesem Sinne Euch und Ihnen eine vor-freudige und besinnliche Fastenzeit.

 

Wo man Bier trinkt: Bordbistro

Diesen Gastronomiebetrieb kennt jeder, der schon mal Bahn gefahren ist. Angebot und Serivce haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, die Preise haben zwar (Landes-)Hauptstadtniveau, aber wenn man bedenkt, welcher logistische Aufwand dahinter steckt, Speisen und Getränke auf die Schiene zu bekommen und dann bei bis zu 300 km/h zuzubereiten und zu servieren, geht das in Ordnung.

Während der Woche stehen hier die schicken Menschen mit Aktentaschen oder Präsentationskoffern und werfen einen letzten Blick auf ihr Smartphon,e bevor sie es in die Tasche gleiten lassen und ihre Bestellung aufgeben. Hier wird die Krawatte gelockert und angestoßen und selbst wer noch im Schein des Notebookmonitors vor sich hinwerkelt (die Dinger sind übrigens nicht gerne gesehen und echte Bordbistro-Connaisseurs verzichten auf sie) lässt seine Gedanken bei einem Kaffee oder einem Glas Wein fließen.

Eine entspannte Ruhe macht sich breit, die höchstens von angetrunkenen jungen Menschen in lustigen Kostümen unterbrochen wird. Nein, ich meine damit keine Soldaten auf Wochenendheimfahrt sondern einen Jungesell(inn)en Abschied auf der Fahrt nach Düsseldorf oder Köln. In diesen Fällen empfiehlt es sich, voll tiefer Sehnsucht in das Glas oder die Tasse zu schauen oder einen Blick auf dem Fenster zu werfen. Man hat schließlich eine ganze Woche oder mindestens einen Arbeitstag überstanden, dann geht auch das vorbei. Im Bordbistro hat Deutschland Feierabend.

Anders wird es, wenn Hitze, Kälte, Streiks, Störungen im Betriebsablauf oder kaputte Signale oder Weichen die Reisepläne über den Haufen werfen. Dann ist das Bordbistro fast wie Ricks Café aus „Casablanca“. Voller Menschen die einerseits froh sind, es bis hier geschafft zu haben, die aber nur weg und weiter wollen. Hier redet man sich dann den Frust von der Seele, tauscht sich über die besten Tipps für Entschädigungen aus oder überbietet sich mit Horrorgeschichten aus dem Bahnalltag. (Ich möchte ncht wissen, wie viele urban legends schon so entstanden sind. Aber egal.) Irgendwann bezahlen fremde Menschen die nächste Runde, man entdeckt, das man mit dem Typ neben sich reden kann und der Schlips- und der Piercingräger finden sich dann doch ganz sympathisch. Dann hat der genius loci wieder zugeschlagen und genervten Reisenden einen schönen Abend geschenkt. Immerhin was, auch wenn es mit der Kostenerstattung durch nicht klappt.

Kurzum: Ein Besuch im Speisewagen gehört – zumindest zu einer längeren Zugfahrt – auf jeden Fall dazu. So wie das „Sänk ju vor träwelling“, das das Ende der Bahnfahrt ankündigt.