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Schau genau

 

Die eine hat 16 Seiten, der andere kostet 31 Millionen und beide sind zur Zeit die Topmeldungen, wenn es um die Katholische Kirche geht. Doch die Handreichung zur Pastoral bei wiederverheirateten Geschiedenen und der neue Limburger Bischofssitz haben noch mehr gemeinsam. Sie zeigen, wie wichtig es ist bei allem, was über kirchliche Themen berichtet wird, ganz genau hinzuschauen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

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Hört, wie sie übereinander reden

Harald Stollmeier nimmt im Moralblog das berühmte Zitat von Tertullian (Seht, wie sie einander lieben) zum Aufhänger, um über das Miteinander der verschiedenen Strömungen in der katholischen Kirche nachzudenken. Gute Gedanken, wie ich finde.

Es ist in der Tat ein wenig schmerzhaft zu sehen, mit welchem Eifer Vertreter beider Gruppen jeden Tag mit spitzer Feder in den ideologischen Grabenkrieg ziehen. Dabei geht es jedoch nicht nur um den Umgang miteinander. Hört, wie sie übereinander reden weiterlesen

Geschiedene Leute

Nun sind die deutschen Diözesen und Professor Pfeiffer geschiedene Leute. Doch wer der Kirche nun eine Blockadehaltung oder mangelnden Willen unterstellt, schüttet nicht nur das Kind mit dem Bad aus, er liegt auch falsch.

Mit dem Schritt, sämtliche Personalakten zugänglich zu machen, ist die Kirche sehr weit gegangen. Stellen wir uns einfach folgendes vor: Die Krankenkassen werfen Ärztinnen und Ärzten Bestechlichkeit vor, und es kommt zu Unregelmäßigkeiten bei der Organspende. Beides sind strafbare Handlungen. Um diese Delikte zu untersuchen, beschließt man ein Gesetz, das alle Krankenhausträger verpflichtet, die Personalakten des Klinikpersonals offen zu legen. Ich möchte mir weder die allgemeine Empörung vorstellen, noch auf die verbleibende Amtszeit des Gesundheitsministers wetten.

Doch genau das haben die Bischöfe getan. Und damit ihre Fürsorgepflicht als Arbeitgeber hinten angestellt, um einem höheren Ziel, nämlich der Aufklärung zu dienen. Dass dann aber Diskretion, Datenschutz und Vertrauen in den Leiter der Studie die allergrößte Rolle spielen, liegt auf der Hand.

Wer sich dieses Zwiespalts bewusst ist, der bringt Verständnis dafür auf, dass die Bischöfe einem Projektleiter, mit dem sie sich nicht verständigen können und dem sie nicht mehr vertrauen, den Auftrag entziehen. Dies geschah freilich nicht vorschnell oder im Hauruck-Verfahren, sondern erst nach einem Mediationsprozess. Hätte man die Studie seitens der Kirche torpedieren wollen, hätte man auf diese aufwendige Vorgehensweise verzichten können. Andererseits leuchtet auch nicht ein, warum ausgerechnet diese eine Studie verhindert werden sollte, während Untersuchungen bereits im Bistum München-Freising durchgeführt wurden, der Kriminologe Norbert Leygraf seine Studie durchführen und seine Ergebnisse publizieren konnte und der Abschlussbericht der Missbrauchshotline ebenfalls der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Denn wer etwas unter den Teppich kehren wollte, müsste der nicht alles verschwinden lassen?

Aber auch, wenn die Vorwürfe nicht überzeugen – das Ansehen der Kirche ist weiter beschädigt. Jetzt muss die Studie mit einem neuen Partner zügig zu Ende geführt und publiziert werden. Dies ist die Kirche vor allem den vielen Opfern schuldig, deren Zahl in die Tausende geht. Und wer die bisherigen Anstrengungen sieht, kann am Willen der Bischöfe keine Zweifel haben.

 

 

Das Ende der Selbstverständlichkeit

Langsam kann man die ganzen Shitstorms, die tagtäglich durch das Netz fegen, nicht mehr zählen. Einer davon betraf in den letzten Tagen eine Dortmunder Kirchengemeinde.

Was war passiert? Ein kleiner Junge stirbt im Alter von neun Jahren an Krebs. Weil er BVB-Fan ist, wünscht er sich eilnen Grabstein mit BVB-Logo. Seine Eltern, die nicht zu dieser Gemeinde gehören, lassen ihr ungetauftes Kind auf dem katholischen Friedhof beerdigen und reichen den Entwurf eines Grabsteins beim Kirchenvorstand ein. Mit BVB-Logo, dem Slogan „Echte Liebe“ und einem Fußball. Der Kirchenvorstand, ein Gremium, das aus Laien (also vermutlich auch dem einen oder anderen Vater oder Mutter) besteht, lehnt diesen Entwurf zunächst wegen des Fehlens christlicher Symbole ab, bietet jedoch ein Gespräch an. Denn dem Jungen seinen letzten Wunsch zu erfüllen, stand auch für den Kirchenvorstand nie in Frage.

Daraufhin entsteht eine Facebook-Gruppe, es wird zu Demonstrationen aufgerufen, und sogar die überregionalen Medien berichten – und die Kirchengemeinde (die nichts anderes wollte, als ein christliches Symbol auf einem christlichen Friedhof) kommt alles andere als gut dabei weg.

Schlussendlich kommt es zu einem Gespräch, Familie und Gemeinde einigen sich, der Grabstein trägt das BVB-Logo, den Schriftzug „Echte Liebe“ und ein christliches Symbol, nur der Fußball wird weniger prägnant.

Ich habe mich gefreut, dass es so gekommen ist. Denn am Ende des Tages geht es um das Grab eines Neunjährigen. Und auch um Eltern, die bei jedem Besuch am Grab ihres Kindes daran erinnert worden wären, dass sie seinen letzten Wunsch nicht erfüllen konnten.

Doch natürlich frage ich mich auch, was zu derartigen Reaktionen geführt haben kann. Dabei geht es mir weder um das konkrete Verhalten des Kirchenvorstands noch um das der Eltern. Denn ich kenne den Fall so wie alle anderen nur aus der Presse und erlaube mir kein Urteil.

Was mich als Kommunikationsmensch interessiert ist die Reaktion der Massen. Was ließ die Wellen so hoch schlagen und vor allem: Hätte man es verhindern können?

Die Diskussion entzündete sich daran, dass der Stein nicht der Friedhofssatzung entsprach. Doch gerade in diesem Fall sind Satzungen ja kein Selbstzweck. Sie geben dem, was Menschen glauben und worin sie ihre Hoffnung setzen, eine Rechtsform. Hinter der Satzung stehen also Glaubenssätze.

Das geht so lange gut, wie die Menschen diese Glaubenssätze kennen und anerkennen. Friedhöfe sind Orte des Glaubens an die Auferstehung. In diesem Glauben sind dort die Toten bestattet und dieser Glaube gibt ihren Angehörigen Kraft. Deshalb gehören dort auch die Symbole hin, die für diese Auferstehung stehen. Auf einem katholischen Friedhof geht es um den Sieg über den Tod und nicht um den Gewinn von Meisterschaften. Wer das weiß und wer weiß, wie viel Kraft diese Symbole Trauernden geben können für den ist klar, dass ein solcher Stein in der vorgeschlagenen Form nicht genehmigt werden konnte.

Fehlt aber das Wissen um diese Hintergründe, dann bleiben freilich nur Vorschriften auf Papier. Regeln, die man auslegen kann, von denen es Ausnahmen gibt, wo man ein Auge zudrücken und fünfe gerade sein lassen kann. Und es gibt eine Kirche, die sich an diese Vorschriften klammert und zu hartherzig ist, um davon abzurücken. Da kann man schon mal wütend werden.

Wenn Kirchen also Entscheidungen verkünden, reicht der Verweis auf Satzungen und Regeln heute nicht mehr aus. Es geht darum, die Entscheidung aus dem Glauben zu begründen. Dass das verständlich gemacht wird, was eben leider nicht mehr selbstverständlich ist. Auch dann wird freilich der eine oder andere auf die Kirche eindreschen. Mancher aber wird nachdenken und der eine oder andere vielleicht verstehen.

Mein Fazit: In einer Zeit, in der die Menschen religiös unmusikalisch werden, muss Kirche die Glaubenswahrheiten erklären, die hinter ihrem Handern stehen. Das kann auch eine Chance sein.

Schlussbemerkung: Ich lebe zwar in Dortmund, habe aber keinen Kontakt zu den Betroffenen Kirchengemeinden. Und auch wenn ich gerne ins Stadion gehe und die Begeisterung nachvollziehen kann, ist der BVB nur mein zweitliebster Fußballverein.

 

Weihnachten 2011 – oben und unten

Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser, wann haben Sie zum letzten Mal über „die da oben“ geschimpft? Über die Bahnvorstände, zum Beispiel, die ruhig mal im überfüllten Regionalexpress zur Arbeit fahren könnten. Über die Millionäre in den Fußballklubs, die ruhig mal mitkriegen sollten, wie dem Fan auf den Stehplätzen zumute ist, wenn die Herren Spieler zu faul zum laufen sind. Über die Besser- und Großverdiener, die mal versuchen sollten, mit einem kleinen Gehalt einen Monat lang über die Runden zu kommen. Von (Ex-) Ministern, Abgeordneten oder Präsidenten ganz zu schweigen. „Die haben ja alle keine Ahnung vom wirklichen Leben“ – fragen Sie dazu einmal den Stammtisch Ihres Vertrauens.

Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? An Weihnachten passiert nämlich genau das: Der Höchste wird ganz klein, hilflos und geht mitten unter die Menschen. Nicht dahin wo es glänzt und leuchtet, sondern zu Lieschen Müller, Max Mustermann, Otto Normalverbraucher – eben zu den kleinen Männern und Frauen auf der Straße. Gott wird Mensch in Jesus Christus mit allen Konsequenzen. Der Allerhöchste erlebt und erleidet alles, was die Menschen da unten bewegt. Ich finde das unendlich tröstlich, denn es heißt auch, dass wir alles vor diesen liebenden Gott tragen dürfen: Sorgen, Nöte und Ängste ebenso wie ein Herz, das vor Freude und Dankbarkeit beinahe platzt.

Wo Weihnachten entschieden wird

Es ist wieder Advent und wer sich an den Samstagen vor dem Fest durch Fußgängerzonen und Einkaufszentren bewegt, merkt schnell, dass der Einzelhandel auch dieses Jahr wieder allen Grund haben dürfte, zu jauchzen und zu frohlocken. So weit so gut, same procedure as every year. Schließlich schenke auch ich gerne und freue mich auch, wenn jemand an mich denkt.

Doch mit seinem Slogan „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ schafft es die rote Elektronikkette mit den dicken Buchstaben, den Sinn dieses Festes umzukehren. Weihnachten ist nicht dann ein gelungenes Fest, wenn wir den größten Plasmafernseher, das schnellste Notebook oder das realistischste Ballerspiel geschenkt bekommen oder verschenken. An Weihnachten wird Gott Mensch, ganz arm, ganz klein und er zeigt sich zuerst denjenigen, die auch schon vor 2.000 Jahren kein Geld für Geschenke gehabt hätten.

Deshalb finde ich es gut, dass sich Christinnen und Christen auf die Hinterbeine stellen. Sei es auf Facebook, auf evangelisch.de in Blogs oder mit einer Erklärung der Bischöfe. Gerade dann, wenn Gottes frohe Botschaft zum Konsumanlass gemacht wird, stellen sich die Kirchen quer und rücken den wahren Sinn wieder in den Blick. Nicht der Baum zählt, sondern die Krippe. Bemerkenswert ist dabei auch die Einigkeit die die Konfessionen an den Tag legen. Das, was uns eint, das, was wir gemeinsam haben, wird verkündet. Ein erfreulicher und ermutigender Abschluss für ein Jahr, in dem das Thema Ökumene mehr als einmal auf der Tagesordnung stand.

Glaubwürdigkeit ist unbezahlbar

Erst kam der Papst, dann kamen die Pornos. So könnte man die Ereignisse der letzten Wochen um Erotik-Literatur beim Weltbild-Verlag reißerisch überschreiben. Denn kaum ist das Thema „Papstbesuch“ in den Medien abgearbeitet, kommt ans Tageslicht, dass sich beim katholischen Weltbildverlag erotische Literatur findet. Ein Sturm im Wasserglas? Künstliche Empörung? Keineswegs wie ich meine.

Gut, wenn Weltbild irgendein Medienunternhemen wäre, könnte man das Ganze getrost vergessen. Denn die Homepage offeriert Erotikliteratur erst nach einer Suchanfrage und der Umsatz mit dieser Sparte macht laut Angaben von Weltbild nur 0.017% des Umsatzes aus.

Doch Weltbild ist nicht irgendein Unternehmen, es gehört – vereinfacht gesagt – zur katholischen Kirche. Und wer moralische Grundsätze predigt und sie von seinen Gläubigen verlangt, der darf mit etwas, dass gegen diese Regeln verstößt, kein Geld verdienen. Denn sonst verliert er etwas was unbezahlbar ist: seine Glaubwürdigkeit. Da hilft auch es auch nicht, dass man nur ein bisschen Geld damit verdient hat. Würden wir einem Sportler zujubeln, der nur ein bisschen dopt oder einen Politiker wählen, der nur ein bisschen Bestechungsgeld genommen hat? Eben.

Wer heute Menschen für eine Botschaft begeistern will, muss sie glaubwürdig und authentisch leben. Es gibt keinen Vertrauensvorschuss, weder für Parteien, noch für Gewerkschaften, Verbände oder Kirche. Deshalb wäre eine radikale Bereinigung und eine Umstellung des Sortimentes nicht nur der richtige Schritt. Es ist auch der einzig Mögliche, wenn die Kirche ernst genommen werden möchte. Und das sollte 0,017% wert sein.

Nachtrag: Gerade lese ich hier, dass der Aufsichtsrat zurückgetreten ist.