Hildesheim dementiert

Das Bistum Hildesheim hat die Vorwürfe, die der WDR in seiner gestrigen Dokumentation erhoben hat, dementiert. Hier geht es zur Stellungnahme.

Ich fand die Reportage journalistisch extrem schlecht gemacht. Vor allem, weil in dem Bericht katholisches Eherecht, katholisches Dienst- und Disziplinarrecht mit staatlichem Straf- und Strafprozessrecht vermischt wurden. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass Menschen zusammenkommen, ein Sachverhalt untersucht wird und hinterher etwas festgestellt wird, was dann für alle bindend ist. Es gibt andere Rechtsgrundlagen, andere Verfahrensgegenstände, die Beteiligten haben andere Interessen und andere Rollen. Mit der gleichen Logik könnte man also den FIFA-Untersuchungsausschuss mit dem Bundesverfassungsgericht vergleichen.

Ich hatte den Eindruck, hier wird wieder einmal Kirchenbashing betrieben, weil es gut für die Quote ist. Und weil Sex die Menschen ja auch vor die Mattscheibe zieht, musste jetzt über den Umweg über das Ehenichtigkeitsverfahren ums Verrecken noch irgendein Zusammenhang mit dem Klischee der ach so leibfeindlichen Kirche hingezimmert werden.

Um es klar zu sagen: Wer Kinder mißbraucht, gehört vor ein staatliches Gericht und bestraft. Wer dies verhindert und vereitelt auch. Die Kirche  muss den Mißbrauchsskalndal aufarbeiten und die Schuldigen benennen und bestrafen. Alle. Schonungslos.

Mein Problem ist ein anderes: Weil ich Katholik und Jurist bin, erkenne ich die Fehler und weil ich nun auch „was mit Medien“ mache, sehe ich, wie professionell diese falschen Informationen präsentiert werden.

Nun frage ich mich natürlich: Wo passiert das noch? Was ist mit Gesundheitsthemen, Wirtschaft, Flüchtlingen und all den anderen Themen, die ich nicht studiert habe und über die ich mir aus den Medien ein Bild machen muss. Wer garantiert mir, dass hier journalistisch sauber gearbeitet wird?

Medien sind so etwas wie das Schmieröl der Demokratie. Sie halten die ganze „Staatsmaschine“ am laufen. Ihre Informationen tragen zur Meinungsbildung bei, aus Meinungen werden Wahlentscheidungen, aus Wahlentscheidungen Regierungen. Wenn Journalistinnen und Journalisten dieser Verantwortung nicht mehr gerecht werden, nicht mehr verlässlich berichten, stirbt jedes Mal ein Stück Demokratie.

Ich weiß nicht, was in Hildesheim passiert ist. Ich weiß nicht, warum diese Reportage so gesendet wurde, wer Recht hat und was sich die Macher gedacht haben.

Aber das mulmige Gefühl beim Fernsehen bleibt.

Wer sich die Reportage anschauen will, hier entlang!

3 Gedanken zu „Hildesheim dementiert“

  1. Was mich stört ist, dass die Reportage von Anfang an mit einem Ziel gemacht wurde. Da wurde nicht ergebnisoffen recherchiert und dann zusammengefasst, sondern es ging von Anfang an darum, der kirchlichen Gerichtsbarkeit jeden Sinn und damit die Existenzberechtigung abzusprechen. Es ging speziell weder um Eherecht noch um Missbrauch, sondern um die „Richter Gottes“ und deren böse oder auch dumme Umtriebe auf allen Feldern, in denen sie tätig sind. Dafür waren die Ehefälle und auch der Hildesheimer Fall schlicht Material, und dann stört es natürlich auch nicht, dass das Hildesheimer Opfer jetzt keinerlei Anonymität mehr hat, weil die im WDR-Beitrag gezeigten Großeltern natürlich jede Menge Bekannte haben, die auch die Enkelin kennen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*