Archiv der Kategorie: Ruhrgebiet

#bckirche

Kirche im Internet? Da denken die einen an die Gemeindehomepage, den Twitteraccount des Papstes (ja, er hat einen!) oder vielleicht an die eine oder andere Facebookseite. Doch es gibt noch mehr als das. Viel mehr. Was alles möglich ist und wer die Leute sind, die es machen, konnte man beim BarCamp Kirche in Essen erleben. Um es kurz zu machen: Es war spannend und inspirierend. Hier sind meine ganz persönlichen (und völlig untechnischen) Eindrücke. #bckirche weiterlesen

Heimat? Warum nur eine?

So ist das mit Twitter. Plötzlich landen da 140 Zeichen in meiner Timeline, die mich auf eine Idee bringen. Eine, die einen dann nicht mehr loslässt, bis man schließlich in die Tasten haut. So entstand dieser Beitrag zur Blogparade von @katjazwitschert zum Thema Heimat.

 

Was ist Heimat für mich? Ich habe an vielen Orten gelebt und mich eigentlich überall mehr oder weniger zuhause gefühlt. Aber zuhause ist nicht Heimat. Heimat ist für mich da, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Ich bin Schwabe, was man noch hört, und ich komme immer wieder gerne nach Hause. Gehe in Kneipen, in denen schon mein Großvater gewesen sein muss. Gehe in die Kirche, in der meine Eltern geheiratet haben, und in der ich getauft wurde. Treffe die alten Freunde und auch wenn man sich manchmal Jahre nicht gesehen hat, ist alles noch wie früher. So gesehen ist Heimat wie ein alter bequemer Schuh. Man schlüpft hinein und es passt einfach.

 

Heimat ist aber auch das Ruhgebiet. Weil meine Frau „von da wech is“. Weil ich als bekennendes Landei immer wieder von seiner Vielfalt fasziniert bin. Und weil es voller toller, liebenswerter, manchmal verrückter Menschen ist. Menschen, die Worte wie „Zuagroaster“ oder „Reigschmeckter“ nicht kennen. Die es einem leicht machen, nicht nur hier zu wohnen, sondern hier auch zu leben.

Aber was verbindet nun eine schwäbische Kleinstadt mit einer Großstadt im Ruhrgebiet? Ich glaube, es ist diese tierische Freude, wenn man dorthin wieder zurückkommt. Heimat ist ein Ort, auf den man sich freut, nicht nur weil einem die Straßen, Häuser und Plätze gefallen. Sondern weil einen mit den Menschen, die dort leben, Geschichten Erinnerungen verbinden. In meinem Leben gibt es davon zwei. Und das ist gut so.

 

Das Ende der Selbstverständlichkeit

Langsam kann man die ganzen Shitstorms, die tagtäglich durch das Netz fegen, nicht mehr zählen. Einer davon betraf in den letzten Tagen eine Dortmunder Kirchengemeinde.

Was war passiert? Ein kleiner Junge stirbt im Alter von neun Jahren an Krebs. Weil er BVB-Fan ist, wünscht er sich eilnen Grabstein mit BVB-Logo. Seine Eltern, die nicht zu dieser Gemeinde gehören, lassen ihr ungetauftes Kind auf dem katholischen Friedhof beerdigen und reichen den Entwurf eines Grabsteins beim Kirchenvorstand ein. Mit BVB-Logo, dem Slogan „Echte Liebe“ und einem Fußball. Der Kirchenvorstand, ein Gremium, das aus Laien (also vermutlich auch dem einen oder anderen Vater oder Mutter) besteht, lehnt diesen Entwurf zunächst wegen des Fehlens christlicher Symbole ab, bietet jedoch ein Gespräch an. Denn dem Jungen seinen letzten Wunsch zu erfüllen, stand auch für den Kirchenvorstand nie in Frage.

Daraufhin entsteht eine Facebook-Gruppe, es wird zu Demonstrationen aufgerufen, und sogar die überregionalen Medien berichten – und die Kirchengemeinde (die nichts anderes wollte, als ein christliches Symbol auf einem christlichen Friedhof) kommt alles andere als gut dabei weg.

Schlussendlich kommt es zu einem Gespräch, Familie und Gemeinde einigen sich, der Grabstein trägt das BVB-Logo, den Schriftzug „Echte Liebe“ und ein christliches Symbol, nur der Fußball wird weniger prägnant.

Ich habe mich gefreut, dass es so gekommen ist. Denn am Ende des Tages geht es um das Grab eines Neunjährigen. Und auch um Eltern, die bei jedem Besuch am Grab ihres Kindes daran erinnert worden wären, dass sie seinen letzten Wunsch nicht erfüllen konnten.

Doch natürlich frage ich mich auch, was zu derartigen Reaktionen geführt haben kann. Dabei geht es mir weder um das konkrete Verhalten des Kirchenvorstands noch um das der Eltern. Denn ich kenne den Fall so wie alle anderen nur aus der Presse und erlaube mir kein Urteil.

Was mich als Kommunikationsmensch interessiert ist die Reaktion der Massen. Was ließ die Wellen so hoch schlagen und vor allem: Hätte man es verhindern können?

Die Diskussion entzündete sich daran, dass der Stein nicht der Friedhofssatzung entsprach. Doch gerade in diesem Fall sind Satzungen ja kein Selbstzweck. Sie geben dem, was Menschen glauben und worin sie ihre Hoffnung setzen, eine Rechtsform. Hinter der Satzung stehen also Glaubenssätze.

Das geht so lange gut, wie die Menschen diese Glaubenssätze kennen und anerkennen. Friedhöfe sind Orte des Glaubens an die Auferstehung. In diesem Glauben sind dort die Toten bestattet und dieser Glaube gibt ihren Angehörigen Kraft. Deshalb gehören dort auch die Symbole hin, die für diese Auferstehung stehen. Auf einem katholischen Friedhof geht es um den Sieg über den Tod und nicht um den Gewinn von Meisterschaften. Wer das weiß und wer weiß, wie viel Kraft diese Symbole Trauernden geben können für den ist klar, dass ein solcher Stein in der vorgeschlagenen Form nicht genehmigt werden konnte.

Fehlt aber das Wissen um diese Hintergründe, dann bleiben freilich nur Vorschriften auf Papier. Regeln, die man auslegen kann, von denen es Ausnahmen gibt, wo man ein Auge zudrücken und fünfe gerade sein lassen kann. Und es gibt eine Kirche, die sich an diese Vorschriften klammert und zu hartherzig ist, um davon abzurücken. Da kann man schon mal wütend werden.

Wenn Kirchen also Entscheidungen verkünden, reicht der Verweis auf Satzungen und Regeln heute nicht mehr aus. Es geht darum, die Entscheidung aus dem Glauben zu begründen. Dass das verständlich gemacht wird, was eben leider nicht mehr selbstverständlich ist. Auch dann wird freilich der eine oder andere auf die Kirche eindreschen. Mancher aber wird nachdenken und der eine oder andere vielleicht verstehen.

Mein Fazit: In einer Zeit, in der die Menschen religiös unmusikalisch werden, muss Kirche die Glaubenswahrheiten erklären, die hinter ihrem Handern stehen. Das kann auch eine Chance sein.

Schlussbemerkung: Ich lebe zwar in Dortmund, habe aber keinen Kontakt zu den Betroffenen Kirchengemeinden. Und auch wenn ich gerne ins Stadion gehe und die Begeisterung nachvollziehen kann, ist der BVB nur mein zweitliebster Fußballverein.

 

Mythos Krupp

Treppenaufgang Zollverein

Das Krupp-LogoEs gibt Museen, an denen man sich einfach nicht satt sieht. Das Ruhrmuseum auf der Zeche Zollverein in Essen gehört dazu. In die imposante Kulisse der alten Zeche (ja, genau die mit dem roten Förderturm)  wurde ein Museum integriert, das die Geschichte des Ruhrgebietes anschaulich macht. Die seiner Industrie, seiner Menschen, seiner Natur – quasi ein Heimatmuseum für Deutschlands größten Ballungsraum.

Hier findet zur Zeit eine Ausstellung statt, die dem Konzern (und den Menschen dahinter) gewidmet ist: dem „Mythos Krupp“.

Schon im Eingangsbereich werden die zwei Gesichter dieses Mythos deutlich: Auf der einen Seite eine Wand mit Karrikaturen aus Zeitungen und Zeitschriften, die Krupp als Kapitalisten zeigen, der sich duch den Verkauf seiner Kanonen an Krieg und Leid bereichert. Gegenüber werden Postkarten gezeigt, die begeisterte Reisende aus der Essen – dem Sitz der Krupps – schrieben. Sie tragen die stolze Aufschrift: „Grüße aus der Kanonenstadt“.

Die Mitte des zentralen Raumes der Ausstellung, ist der Familie Krupp und ihrer Geschichte gewidmet. Wer die Ausstellung betritt, läuft geradewegs auf diese Exponate zu. So wird die Familie Krupp zum Ausgangs- und Mittelpunkt für den Rundgang und man bekommt eindrucksvoll eine der Grundlagen für den Mythos Krupp präsentiert: Die Bereitschaft, sich voll und ganz dem Unternehmen zu verschreiben.

Um diesen Bereich herum wird einerseits die Geschichte des Konzerns, seiner Erfindungen – von den ersten Feilen und Gerberwerkzeugen, den nahtlosen Eisenbahnreifen über Kriegsgerät bis zu Zahnkronen – gezeigt. Andererseits finden hier auch die Menschen ihren Platz: Finanziers, Ingenieure, Manager. Aber auch die einfachen „Kruppianer“ in ihren Werkswohnungen, die für die Treue zum Unternehmen mit Uhren und Ehrenzeichen belohnt wurden und ihre Einkäufe in der Konsum-Tüte nach Hause trugen. Hier wird auch das soziale Engagement dargestellt und gewürdigt. Und wir entdecken weitere Elemente dessen, was den Mythos ausmacht: Erfindungsreichtum, Forschergeist und Loyalität, die freilich gut belohnt wurden.

Um den zentralen Raum herum wird in mehreren kleineren Räumen die Beziehung von Krupp zu Gesellschaft und Politik gezeigt. Eine Nähe zu den Mächtigen, die half, den Stahl für Eisenbahnen und Kanonen zu verkaufen – und ebenfalls den Mythos Krupp erschuf. Die prachtvolle Villa Hügel und die Monarchen und Staatschefs, die dort zu Gast waren. Das gesellschaftliche Engagement und das Mäzenatentum. Aber auch die Selbstdarstellung in den Filmen der „kinematographischen Abteilung“ des Unternehmens und seine Inszenierung bei Jubiläumsfeiern.

Auf diese Art und Weise entsteht aus 1.500 Exponaten ein buntes Bild eines Konzerns, der Menschen an seiner Spitze und seinen normalen MitarbeiterInnen und seiner Zeit. Ein Bild, das beeindruckt.

Kurzum: Eine Ausstellung, die sich lohnt. Und die (kleiner Wink mit dem Zaunpfahl) noch bis zum 4. November geöffnet hat.

 

Noah 2011

Dieses Jahr war Weihnachten stressiger als sonst. Was nicht an der üblichen Weihnachtshektik lag, sondern an der Tatsache, dass wir noch vor Weihnachten umgezogen sind. Und zwischen Kisten, Kästen und halb aufgebauten Möbeln bleibt nicht viel Platz für Besinnlichkeit. Beim räumen und packen fielen mir diese Zeilen in die Hände, die mich dann doch innehalten ließen. Und die für mich „Motto-Qualitäten“ für das neue Jahr haben. Der Autor ist unbekannt aber der Text ist so gut, dass er einen Platz in meinem Blog verdient hat:

Und hier kommt er:

Alles, was ich wissen muss, lernte ich von Noah’s Arche.

1. Nicht das Boot verpassen!
2. Denke daran, dass wir alle im selben Boot sitzen.
3. Plane vorausschauend. Es hat nicht geregnet, als Noah die Arche baute.
4. Bleibe in Form! Auch wenn Du 100 Jahre alt bist, könnte dich jemand auffordern, etwas wirklich Großes zu tun.
5. Höre nicht auf die Kritiker; tue einfach deine Arbeit weiter, die getan werden muss.
6. Baue dir deine Zukunft auf hohem Niveau.
7. Um der Sicherheit willen, reise paarweise.
8. Geschwindigkeit ist nicht immer von Vorteil. Die Schnecken waren ebenso an Bord wie die Geparde.
9. Wenn du gestresst bist, lass dich eine Weile treiben.
10. Denke daran, dass die Arche von Amateuren gebaut wurde, die Titanic von Profis!
11. Mache Dir keine Sorgen um den Sturm! Wenn Du mit Gott unterwegs bist, wartet immer ein Regenbogen auf dich.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern vom Bürstenfrosch ein frohes, glückliches und gesegnetes 2011! Mögen wir den Regenbogen finden oder ihm zumindest ein Stückchen näher kommen.

Glückwunschtag

Heute scheint Glückwunschtag zu sein. Nach den Glückwunschen zu meinem „Namenstag“ gibt es jetzt verspätete Glückwünsche für das Moralblog von Caroline und Harald Stollmeier. Seit mehr als einem Jahr ist es nun online und bietet Artikel rund um Menschen, die Gutes tun: sich für andere einsetzen, gute Bücher schreiben, sich für das ungeborene Leben einsetzen und vieles mehr. Es geht – wie der Name schon sagt – um Werte und Moral, aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Ein Blog, das zum Nachdenken anregt und gerade deshalb großen Spaß macht.

Deshalb kommen hier ganz herzliche Glückwünsche zum ersten Geburtstag.

(Und wer es noch nicht kennt, kann hier gleich loslesen…)